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   Markenecho - der Markenblog von & für Markenenthusiasten.

Dienstag, 27. September 2011

VOR 20 JAHREN STARB MUKU. Ein Markennachruf.

1991 wurde sie ein einfach eingestellt, die Eis-Marke mit dem sympathisch-kindlichen Namen MUKU. Als Regionalmarke in Niedersachsen war sie offenbar nicht attraktiv genug für die Nestlés und Unilevers dieser Welt. Oder vielleicht war man auch einfach mit dem Markenmanagement überfordert?

Auf jeden Fall war die Marke ein Teil meines Kinderlebens. In den sechziger Jahren gab es in unserer Neubausiedlung gleich zwei Reihenhäuschen mit der MUKU-Flagge. Das waren Privathaushalte, die als eine Art Kiosk fungierten. Einer bot nur Eis an, beim anderen gab es auch Bier, Limonade und Kaugummis. Aber eigentlich war MUKU-Eis omnipräsent in Hildesheim, Hannover, Braunschweig, Hameln und der gesamten Gegend vom Harz bis in die Lüneburger Heide. MUKU gab es im Schwimmbad, im Supermarkt und beim Konditor.

1949 begann der Unternehmer Helmut Graf mit der Produktion von Speiseeis in der Domäne Marienburg, die heute zur Stadt Hildesheim gehört. 20 Pfennig kostete in meiner frühesten Jugend das billigste Eis am Stil, ein Milcheis umwickelt mit Stanniolpapier. Das gab es in den Geschmackrichtungen Vanille und Schokolade. Das Top-Produkt kostete bis weit in die Siebziger hinein eine Mark und war ein Hörnchen mit Sahneeis und Schokostreusel. Die Namen waren unterschiedlich fantasievoll: So hieß ein Orangenfruchteis „Rocky“ und ein Eis im Becher „Twist“. Etwas ganz Besonders war das Eis „Slop“. Das war ein Eis in einem trichterförmigen Becher, an dessen unterem Ende sich ein runder Kaugummi befand. Das ganze gab es für 50 Pfennig.

Heute befindet sich in dem im Jahr 1346 gegründeten, spätromanischen Gebäudekomplex der ehemaligen Eisfabrik ein Institut der Universität Hildesheim. Diese Marienburg ist übrigens nicht zu verwechseln mit der nur wenige Kilometer entfernten, gleichnamigen neugotischen Burg Marienburg, in der einer der letzten Welfen residiert, wenn er nicht gerade in Monaco weilt oder Fotografen verprügelt.

Da gute Marken nicht sterben sollten, habe ich übrigens die Markenrechte an MUKU gesichert. Und wenn es einen Eis- oder Kuchenhersteller gibt, der diese Marke nutzen möchte, kann er sie für kleines Geld erwerben, sofern auch seine Produkte es vermögen, Kinderherzen höher schlagen zu lassen.

Kommentare:

  1. KLASSE! Diesen Beitrag zu lesen war mir eine echte Freude! Als Kind der 1970er Jahre kann ich gut nachempfinden, was die Reduzierung der Markenvielfalt beim industriell hergestellten Speiseeis auf die beiden großen Global Player bedeutet. Die vielen kleinen regionalen milchverarbeitenden Betriebe wie die Molkerei Trittau mit ihrer Marke "Milli", "Moha" in Frankfurt, Humana mit "Sanobub", "Südmilch" in Stuttgart, oder die Meierei "Bolle" in Berlin, waren mit ihrer "Eiskrem" regional eine echte Institution! Auch wenn ich schon von Kindesbeinen an ganz besonders mit Langnese verbunden bin, (was daran liegt, dass ich 1970 im Alter von 2,5 Jahren eine Eisfahne mit dem schönen alten "Markisen-Logo" entdeckte, die der Auslöser für meine jahrzehntelange Sammelleidenschaft von Langnese-Werbung wurde), muß ich sagen, dass die Markenvielfalt meiner Kindheit doch eine immense Bereicherung für mich darstellte. Neben Langnese gab es in West-Berlin Schöller, Dr. Oetker-Eis, Motta, Jopa, Südmilch und wie bereits erwähnt Bolle-Eiscreme. Und "Bolle" war nicht nur Eis, Milch, Butter, Joghurt und Käse, sondern bis vor rund 20 Jahren auch eine legendäre Supermarktkette, mit einer Bekanntheit die über die Stadtgrenzen hinausging, und an die sich heute viele gerne erinnern. Grüße aus Berlin Tobias Sadecki

    https://www.facebook.com/#!/CoolCollectionBerlin

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  2. Einige der eiskreationen die genannt worden erinnern mich stark an langnese. Wie zb der Name twist..bei langnese heisst es twister.. Oder das eis in dem trichterförmigen Behälter mit der kaugummi Kugel..auch das gibt es heute bei langnese

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  3. Ja Muku war eine tolle Eisfabrik. Slop war total lecker. Der obere Teil des Eises hat immer etwas nach dem Papier vom Deckel geschmeckt...hhmmm köstlich. Ein weiterer Renner, der bisher von keinem Hersteller getoppt wurde, war das Waldmeister-Wassereis. Ich weiß nicht mehr wie es hieß. Aber da war soviel Sirup drin, dass das Papier sehr oft am Eis kleben geblieben ist. Auch das hat dem Geschmack keinen Abbruch getan. Es hat 30 Pfennig gekostet. Ich sehne mich schon soviele Jahre nach diesem Eis.
    Bei Muku vor der Tür gab es auch einen Eis-Automaten, da konnte man dann auch Nachts nach der Disko Eis holen.
    Grüße aus Hildesheim Melanie

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  4. Ja, ich kann gar nicht sagen, wie ich dieses Eis vermisse. Das tolle Waldmeistereis. Ich würde wahrscheinlich Unsummen zahlen, um noch einmal eins zu essen. Wenn man mit dem Fahrrad über die Behelfsschranke gefahren war, hatte man das Ziel fast erreicht.

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  5. Super Eis!
    Hat jemand noch ein Foto von einer Eistafel?

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  6. Oh wie gern erinnere ich mich an die Sonntage wo wir einen Ausflug Tür Domäne gemacht haben und in Zeitungspapier eingewickelt das Mukueis mit nach Hause genommen haben.

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  7. Es war wirklich toll. Am Wochende gab es in Marienburg auf dem Gut 2. Wahl oder Eisreste für wenig Geld. Wir haben immer drauf gewartet.

    Schade das keiner bereit ist, dieses Eis wieder auflewben zu lassen.











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  8. Kann man irgendwie an das Rezept rankommen oder kennt jemand ein vergleichbares Eis? Es war so lecker.

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  9. Jetzt muss ich auch mal antworten. Weiter oben wurde genau das beschrieben, woran ich mich auch nach über 35 Jahren noch gaaaaaanz genau erinnere: Der obere Teil von Slop und das fantastische Waldmeister-Eis.
    Wir hatten bei uns in Hildesheim eine BP-Tankstelle gegenüber, die haben natürlich MUKU-Eis verkauft. Ihr könnt Euch sicherlich vorstellen, wofür mein Taschengeld geopfert wurde. HERRLICH...
    Auch wir waren immer in der Domäne Marienburg und haben dort das Eis gekauft. Wir haben es immer "Brucheis" genannt. Weiß gar nicht, ob das der offizielle Name war.
    Jedenfalls vielen Dank für diesen tollen Moment de Erinnerung...

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  10. Ich habe die Eistafel eben bei Facebook entdeckt. Falls ihr noch interessiert seid, unter: Muku Eisfabrik.

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